Max Aschenbachs Rede zum Antrag “Schluss mit dem Genderwahn” der #noafd

Hallo AfD, “Schluss mit dem Genderwahn – Sprache muss einfach und verständlich bleiben” so der drollige Titel eures armseligen Antrags, für den ich euch äußerst dankbar bin. Denn in der Tat, gibt es über Sprache einiges zu besprechen. Zunächst muss ich leider erstmal klarstellen, dass Sprache kein starres, homogenes Konstrukt ist. Es gibt weder gesetzliche Kontrollen, noch starre Regeln und wenn jemals – Tatütata – eine Sprachpolizei vorfährt, freue ich mich auf gnadenlose Alliterationsgefechte, Stilmittelblockaden und die Eskalatiopn ortografischer Gewalt. DIE Sprache gibt es nicht. Schriftsprache ist nicht gesprochenen Sprache und letztere in weiten Teilen Deutschlands und explizit in Sachsen nicht mal Deutsch. SchreibenlernennachGehörSmiley. Journalisten nutzen eine andere Sprache als Wissenschaftler oder gar Künstler. Politiker bedienen sich oft einer völlig sinnentleerten Sprache aus bedeutungsschwangeren, aber bedeutungslosen Phrasen und Worthülsen und Gewäsch, um den eigentlichen Zweck von Kommunikation, den inhaltlichen Austausch, möglichst zu vermeiden. Jede Gruppe, ja sogar jede Familie pflegt ihre eigene Sprache. Sogar einzelne Individuen haben unterschiedliche Sprachen je nach Ort, Zeit und Gesprächspartner. So echauffiert sich z.B. der CDU-Fraktionsvorsitzende Krüger köstlich, wenn ich auf dem Podium von Arschlöchern spreche, um mich vor der Tür Arschloch zu nennen. Zugegeben, als Opfer einer Alleinerziehenden mit DDR-Sozialisation, fast ausschließlich von Lehrerinnen unterrichtet, von Ärztinnen behandelt, von berufstätigen Frauen umgeben und schließlich von einem weiblichen Kanzler radikalisiert, erschloss sich mir das Konzept Lehrer, Arzt, Politiker usw. ausschließlich männlich zu denken lange nicht. Unsere Realität lehrte mich eines Besseren. Das etwas emanzipiertere Frauenbild der Ossis wurde mindestens ebenso schnell und gern über den Haufen geworfen, wie die schnuckelige Idee des Volkseigentums. Genderpaygap, Führungsfrauenanteil und alltäglicher Sexismus sprechen eine deutliche Sprache. Aber eben nicht jene Sprache, von der wir hier sprechen und welche immer ein Angebot ist. Jeder kann sich immer aussuchen welche Sprache er wie benutzt und nur totatlitäre Systeme sehen das anders. Das beweise ich hier seit 2,5 Jahren. Ob ihr euch nun aus der reichhaltigen Angebotspalette der geschlechtergerechten Sprache bedient oder nicht, bleibt euch überlassen. Nun zum AfDer-Antrag. Dieser meint, die Sprache der Verwaltung soll “verständlich bleiben”. Ich muss nicht ausführen, wie lustig die These, Verwaltungssprache sei verständlich, ist. In diesem Zusammenhang wäre eine Erörterung von Sprache als Macht- und Herrschaftsinstrument angebracht, aber – machen wir uns keine Illusionen – das würde die meisten hier überfordern. Wer „Schluss mit dem Genderwahn“ titelt ist doof. Dem Anliegen mittels Sprache in einer durch und durch patriarchalen Gesellschaft für geschlechtsbezogene Ungerechtigkeit zu sensibilisieren, Wahn zu unterstellen, ist schon eine intellektuelle Herausforderung, die ihr damit untermauert, dass ihr sagt, kognitiv nicht in der Lage zu sein, gegenderte Texte zu verstehen oder zumindest den Bürger für entsprechend minderbegabt haltet. Aber selbstverständlich seid ihr so dumm auch wieder nicht. Ihr verteidigt euer krudes Weltbild, in der alles und jeder seinen wohlgeordneten Platz in den Hierarchien hat und jede Abweichung von der Norm bekämpft werden muss. Als würde euch das Pimmelchen abfallen, wenn die Verwaltung nicht das generische Maskulinum verwendet. Ich mag ja das inkonsequent angewendete generische Femininum, aber wen kümmert’s? Und damit sind wir beim Kern des Ganzen: Andere einfach anders sein zu lassen, ist ein Konzept, dass AfDern fremd ist, ja widerspricht allem, was ihr seid. Das ist ja das Problem mit euch. Keine Pointe.

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